Mehr Frauen in Führung: Wie das Klinikum Solingen Oberärztinnen gewinnt

Gruppenfoto mit Chefärzten und Personalleiter und den neuen Oberärztinnen im Städtischen Klinikum Solingen.
Im Städtischen Klinikum werden junge Fachärztinnen unterstützt, damit sie als Oberärztinnen in ihre Führungsrolle wachsen können.

Dass Frauen im Medizinstudium längst in der Mehrheit sind, gehört inzwischen zur statistischen Normalität. Weniger sichtbar ist jedoch, was auf dem weiteren Karriereweg passiert. Spätestens dort, wo ärztliche Führungspositionen beginnen, öffnet sich in vielen Kliniken eine deutliche Schere. Oberarzt- und Leitungsstellen sind nach wie vor überwiegend männlich besetzt, obwohl es an qualifizierten Ärztinnen nicht mangelt. 

Am Städtisches Klinikum Solingen hat man diese Entwicklung nicht als gegeben hingenommen. Mit der Berufung von zwei neuen Oberärztinnen auf der Station B21 der Medizinischen Klinik III, in der Geriatrie und Nephrologie zusammenarbeiten, reagiert das Haus bewusst auf ein strukturelles Problem. 

Chefärztin Nicole Backes beschreibt den Punkt, an dem viele Karrieren ins Stocken geraten. Mehr Frauen als Männer begännen ein Medizinstudium, häufig seien sie im Studium sogar schneller und zielstrebiger. Auch beim Facharztabschluss sei das Verhältnis noch nahezu ausgeglichen. „Spannend wird es dann bei der innerklinischen Karriere“, sagt Backes. „Wenn es um Oberarzt-, leitende Oberarzt- oder Chefarztstellen geht, geht diese Schere rasant auseinander und das ganz sicher nicht wegen fehlender Qualifikation.“ 

Die Gründe dafür liegen aus ihrer Sicht weniger in der fachlichen Ebene als in strukturellen und kulturellen Mustern. Männer nähmen Führungsangebote oft selbstverständlich an, während Frauen ihre eigene Eignung stärker hinterfragten. „Wenn man einem Mann eine Oberarztstelle anbietet, sagt er meist sofort: klar, mache ich“, sagt Chefärztin Backes. „Frauen sagen eher: Ich brauche noch Unterstützung, ich muss nochmal nachdenken. Genau da müssen wir als Klinik aktiv werden.“ 

Diese Einschätzung teilt auch Priv.-Doz. Dr. Michael Schmitz, Chefarzt des nephrologischen Departments. Aus seiner Lehrtätigkeit an der Universität Düsseldorf kennt er die Entwicklung seit Jahren. „Ich hatte gerade wieder einen Kurs mit elf Frauen und einem Mann“, zeigt er auf. „Das Medizinstudium ist weiblich geworden. Trotzdem sehen wir in Führungspositionen weiterhin eine klare Männerdominanz.“ 

Viele Ärztinnen entschieden sich nach der Facharztweiterbildung für die Niederlassung. Nicht aus mangelndem Interesse an Verantwortung, sondern weil sie sich dort bessere Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf versprächen. „Für die Kliniken ist das problematisch“, so Dr. Michael Schmitz. „Wir investieren viele Jahre in die Weiterbildung und verlieren dann genau die Frauen, die wir später als Oberärztinnen oder Chefärztinnen dringend brauchen