Fit für den Beruf in Deutschland

Internationale Pflegekräfte werden intensiv für ihren Einsatz in Deutschland geschult.

Vier intensive Wochen liegen hinter den zwölf Pflegekräften, die aus der Türkei und aus Ägypten ans Städtische Klinikum gekommen sind. Vier Wochen, die ihnen den Einstieg in Deutschland, vor allem aber ins Berufsleben erleichtern sollen.

Sinem Demirtas und Selin Tuna sind aus Istanbul nach Solingen gekommen. Beide haben in der Türkei eine Ausbildung in der Pflege gemacht. „Da sich aber die Anforderungen und Arbeitsfelder teilweise deutlich unterscheiden, müssen alle internationalen Pflegekräfte, die nicht aus der Europäischen Union kommen, ihre Ausbildung hier anerkennen lassen“, erklärt Heike Zinn. Insgesamt hat die Pflegedirektorin bereits 233 internationale Pflegefachkräfte auf ihrem Weg ins deutsche Gesundheitswesen begleitet. „Wir können inzwischen das Tempo hier rausnehmen, aber der Bedarf an Pflegekräften ist weiter da.“

Neben der Theorie – medizinische Fachsprache und eine Einführung in das deutsche Gesundheitswesen – standen auch ganz praktische Übungen auf dem Programm. „In der Türkei zum Beispiel übernehmen die Angehörigen die Körperpflege“, erklärt Nathalie Hannemann von der Praxiskoordination der Pflege. Dieses neue Aufgabengebiet muss gelernt und die Schulung auch gegenüber der Bezirksregierung als anerkennender Behörde nachgewiesen werden. 

Sinem Demirtas und Selin Tuna suchen in Deutschland sowohl bessere Arbeitsbedingungen als auch Aufstiegsmöglichkeiten in der Pflege. „In der Türkei ist die tägliche Arbeitszeit sehr lang, zwölf Stunden und mehr sind normal“, sagt Selin Tuna. Die 26-Jährige, die schon im Krankenhaus gearbeitet hat, hat dort wenig Dankbarkeit und Respekt von den Patientinnen und Patienten und deren Angehörigen erfahren. Das sei in Deutschland ganz anders, wo der Pflegeberuf viel Anerkennung genießt.

Überhaupt seien die Solingerinnen und Solinger sehr freundlich und verständnisvoll. Sinem Demirtas wohnt inzwischen mit ihrem Ehemann in Gräfrath. „Meine Vermieter haben uns vom Flughafen abgeholt und uns mit einem Frühstück empfangen“, erinnert sich die 29-Jährige an ihren ersten Tag in der neuen Heimat. Auch wenn Sinem Demirtas gut deutsch spricht, manchmal geht es ihr dann doch etwas zu schnell. „Aber wenn ich zum Beispiel an der Kasse im Supermarkt sage, dass ich noch übe, sprechen alle sehr langsam und deutlich“, lacht sie.

Sprache und Kommunikation haben in den ersten Wochen auch im Vorbereitungskurs einen großen Anteil eingenommen. „Wir müssen den Patienten Schritt für Schritt erklären, was wir gerade tun“, sagt Selin Tuna. Jetzt fühlt sie sich bestens gerüstet, wenn es nun in den nächsten Tagen auf der Geriatrie zum ersten Mal auf Station geht, natürlich weiter begleitet von Nathalie Hannemann und dem Team der Praxiskoordination am Klinikum. „Wir wissen, wie schwer der Abschied von Zuhause fällt und wie viel unsere neuen Kolleginnen und Kollegen trotz der Ausbildung, die sie schon haben, hier noch lernen müssen“, sagt Nathalie Hannemann. „Damit das gelingt, dafür arbeiten wir.“