Solingen kann netzwerken, wenn es um die Förderung von Kindern geht. Niedergelassene Kinderärzte, Therapiezentren, die Frühförderstelle, das Coppelstift, das Autismuszentrum und viele andere ziehen an einem Strang. „Das musste ich erst einmal lernen“, sagt Dr. Sven Propson, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Städtischen Klinikum Solingen. Hier ziehe man an einem Strang, wenn es um die Versorgung der Kinder gehe.
Seit 15 Jahren gehört das Sozialpädiatrische Zentrum (SPZ) des Klinikums zu diesem Netzwerk. Gestartet in zwei Räumen innerhalb der Kinderklinik mit drei fest angestellten Mitarbeitenden, ist das ambulante Angebot inzwischen zu einem festen Bestandteil geworden. Über 2.000 Fälle werden jedes Jahr behandelt – Tendenz steigend. Mit der Zahl der Fälle steigt trotz eines wachsenden Teams und zusätzlicher Behandlungsräume auch die Wartezeit. „Ich traue es mich kaum zu sagen, wir sind inzwischen bei einem Jahr“, sagt Dr. Ruth Klaeren. Die Leiterin des SPZ betont, dass die Wartezeit kein Solinger Problem sei, sondern dieser Trend bundesweit zu beobachten sei. Das Kerneinzugsgebiet sind Solingen und der Südkreis Mettmann. Inzwischen kommen aber auch vermehrt Anfragen aus der umliegenden Region, etwa aus Wuppertal, Leverkusen und Düsseldorf.
Als Sonderform der interdisziplinären ambulanten Behandlung sind SPZ eine Ergänzung zu den niedergelassenen Praxen, Therapiezentren und Frühförderstellen. Sie bieten Unterstützung für Kinder mit Entwicklungsstörungen, psychischen Erkrankungen und (drohenden) Behinderungen unter ständiger ärztlicher Aufsicht. Die Hilfe bezieht die Eltern und andere Bezugspersonen mit ein. Ganz oben auf der Liste der Erkrankungen stehen allgemeine Entwicklungsverzögerungen und -störungen jeder Art, etwa Sprachentwicklungsstörungen sowie Verhaltensauffälligkeiten, zum Beispiel der Verdacht auf ADHS oder Autismus. „Ein Großteil unserer Patienten klagt über chronische Kopfschmerzen“, sagt Dr. Ruth Klaeren.
Angesichts der langen Wartezeit betonte Prof. Dr. Martin Eversmeyer als Geschäftsführer die Wichtigkeit des SPZ. „Wir werden uns das auch im Zuge des Neubaus und der geplanten Umzüge ganz genau anschauen“, versprach er. Perspektivisch sollen die Nebengebäude – in einem davon ist auch das SPZ untergebracht – aufgegeben werden. Die dort untergebrachten Bereiche sollen dann in den heutigen, anschließend umgebauten Bettentrakt umziehen. Auch der Aufsichtsrat unterstützt die Arbeit des SPZ. Die stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Martina Zsack-Möllmann betonte: „Sie halten im SPZ die Zukunft der Stadtgesellschaft in Ihren Händen.“
